
Leitartikel
Der kleine Mittelstand bleibt 2025 eine der stabilisierenden Säulen der deutschen Wirtschaft, arbeitet aber unter wachsendem Druck. Konjunkturelle Schwäche, schwierigerer Kreditzugang und strukturelle Transformation treffen kleine Unternehmen stärker als große Firmen. Die Studien der Forschungsinstitute, Bankenverbände und Wirtschaftskammern zeigen ein konsistentes Bild: Der kleine Mittelstand befindet sich nicht im Aufschwung, sondern in einer Phase zäher Stabilisierung.

Schwache Konjunktur trifft kleine Firmen besonders
Die makroökonomische Lage bleibt 2025 verhalten. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) konstatiert für Deutschland nur ein minimal positives Wachstum von rund 0,2 Prozent. Von einer dynamischen Erholung kann damit keine Rede sein.
Für kleine Unternehmen ist diese Lage besonders problematisch. Laut DIHK-Konjunkturumfrage 2025 waren die Erwartungen vor allem bei Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten deutlich negativer als im Durchschnitt der Wirtschaft. In dieser Gruppe rutscht der Geschäftserwartungssaldo – eine einfache Kennzahl aus Umfragen unter Unternehmen, die zeigt, ob Firmen insgesamt eher optimistisch oder pessimistisch auf die kommenden Monate blicken – klar ins Minus. Die KfW kommt zu einer ähnlichen Diagnose.
Für viele kleine Betriebe hieß das: Die Nachfrage blieb schwach, während Kosten und Unsicherheit stiegen.
Trotzdem konnten die Bürgschaftsbanken ihre Förderleistung ausweiten: Im Jahr 2025 wurden bundesweit 5.077 Unternehmen mit Bürgschaften oder Garantien unterstützt. Das damit abgesicherte Finanzierungsvolumen belief sich auf rund 1,96 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg der genehmigten Fälle um 13,6 % und des Volumens um 8,8 %.
Kredit bleibt verfügbar – aber schwieriger zu bekommen
Neben der Konjunktur belastete vor allem der Zugang zu Finanzierung den kleinen Mittelstand. Die KfW-ifo-Kredithürde erreichte 2025 ungewöhnlich hohe Werte. Die ifo-Kredithürde zeigt, wie schwierig Unternehmen es gerade finden, von Banken Kredite zu bekommen – je höher der Wert, desto schwerer ist der Zugang zu Finanzierung. Im ersten Quartal berichteten 33,8 Prozent der mittelständischen Unternehmen, dass Banken sich in Kreditverhandlungen restriktiv verhielten.
Dieser Anteil stieg im zweiten Quartal stieg dieser Anteil sogar auf 35,2 Prozent. Gleichzeitig führten nur noch rund ein Fünftel der KMU überhaupt Kreditgespräche. Der Grund ist laut KfW eine Kombination aus wirtschaftlicher Unsicherheit und vorsichtigerer Risikobewertung der Banken. Auch wenn die Kredithürde in der Folge leicht sank, blieb sie historisch hoch. Die KfW spricht deshalb von weiterhin „angezogenen Bremsen am Kreditmarkt“. Auffällig ist dabei die zunehmende Spreizung zwischen kleinen und großen Unternehmen. Während Großunternehmen deutlich leichter Kredit erhalten, steigen für kleinere Firmen Bonitätsanforderungen und Sicherheitenanforderungen stärker.
Nachfolge wird zur wachsenden strukturellen Herausforderung
Ein zusätzliches strukturelles Risiko für den kleinen Mittelstand zeigte sich 2025 beim Generationswechsel in den Unternehmen. Immer mehr Inhaberinnen und Inhaber erreichen das Rentenalter, während gleichzeitig geeignete Nachfolger fehlen. Nach dem DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025 stehen in den Beratungen der Industrie- und Handelskammern bundesweit rund 9.600 übergabebereiten Unternehmen nur etwa 4.000 potenziellen Übernahmeinteressenten gegenüber. Mehr als ein Viertel der betroffenen Unternehmer zieht deshalb inzwischen sogar eine Betriebsschließung in Betracht.
Die Ursachen für diese wachsende Nachfolgelücke sind vielfältig. Demografischer Wandel, wirtschaftliche Unsicherheit, Finanzierungshürden sowie bürokratische Anforderungen erschweren den Übergabeprozess zusätzlich.
Gleichzeitig steigt die Zahl der Unternehmer, die ihren Betrieb aus Altersgründen abgeben möchten. Experten warnen daher, dass in den kommenden zehn Jahren bis zu 250.000 Unternehmen in Deutschland von einem Nachfolgeproblem betroffen sein könnten, darunter auch viele wirtschaftlich gesunde Betriebe.
Transformation eröffnet Chancen, verlangen aber Investitionen
Trotz der schwierigen Lage entstehen neue Wachstumsfelder. Die Sparkassen-Finanzgruppe sieht laut Studie „Diagnose Mittelstand 2025“ vor allem in drei Bereichen große Potenziale: In der Digitalisierung, der Energieeffizienz und der Künstlichen Intelligenz.
Insbesondere KI könnte laut Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV)-Ökonomen eine „Schlüsseltechnologie“ für Produktivitätssteigerungen im Mittelstand werden. Anders als bei großen Tech-Konzernen liegen die Effekte dabei vor allem in inkrementellen Verbesserungen: Automatisierung von Verwaltungsprozessen, Optimierung von Logistik oder datenbasierter Produktionssteuerung.
Strukturprobleme bremsen Investitionen
Demgegenüber stehen strukturelle Hemmnisse, die gerade kleine Unternehmen stark treffen. Laut DIHK-Konjunkturumfrage Herbst 2025 sehen Unternehmen Risiken für ihre Geschäftsentwicklung vor allem in den Energie- und Rohstoffpreisen (49 Prozent), im Fachkräftemangel (44 Prozent) und – mit Abstand – in der Finanzierung (14 Pprpozent)
Der Fachkräftemangel trifft dabei besonders den beschäftigungsstarken Kern des Mittelstands. Laut DIHK-Fachkräftereport 2025/26 melden 44 Prozent der Unternehmen mit 20 bis 199 Beschäftigten langfristig unbesetzte Stellen. Ein weiteres Problem ist die demografische Struktur der Unternehmensinhaber. Eine KfW-Studie 2025 zeigt, dass ältere Unternehmer deutlich seltener investieren – eine „demografische Investitionslücke“, die insbesondere kleine Betriebe bremst.
Ein Faktor, den nahezu alle Studien erwähnen: Bürokratie und unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Gerade kleine Unternehmen tragen regulatorische Fixkosten relativ schwerer als große.
Fazit: Stabil, aber unter Druck
Die Studienlage zeichnet für 2025 ein klares Bild. Der kleine Mittelstand ist weiterhin stabil und und noch resilient. Gleichzeitig befindet er sich in einem strukturellen Spannungsfeld: Transformation erfordert Investitionen – doch wirtschaftliche Unsicherheit, Fachkräftemangel und strengere Kreditbedingungen engen den Handlungsspielraum ein.
Eine paradoxe Situation: Der Mittelstand soll die Transformation der Wirtschaft mittragen, verfügt dafür aber über immer weniger operative Reserven.